Hof Gümmer - Von der Hofstelle zum Dorfgemeinschaftszentrum

Dorfgemeinschaftszentrum Lindhorst „Hof Gümmer" (Bereich A & B)


Umnutzung eines ehemaligen Wohnwirtschaftsgebäudes mit angebauter Fachwerkscheune, Leibzucht und Stall in Lindhorst, Bahnhofstr. 37


Eigentümer: Gemeinde Lindhorst, Bahnhofstr, 55a, 31698 Lindhorst
Planung und Bauleitung: Dipl.-lng. Manfred Rover, Am Salinenplatz 3, 31552 Apelern OT Soldorf

 

Die Entwicklung des Ortes Lindhorst seit den Ursprüngen im 11. Jh. als Siedlungstyp "Straßendrubbel", einer lockeren Ansammlung von Bauernhöfen (gegenüber den Hagenhufendörfern des 13. Jh.), bis zum Ende des 2. Weitkrieges, war überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

 

Eisenbahn und Holzhandel brachten um 1900 einen neuen Entwicklungsimpuls. Später wurde die Ortsentwicklung durch den Bergbau (Bergarbeitersiedlungen} und den Flüchtlingsstrom nach dem Krieg nachhaltig forciert.

Daraus erklärt sich die außerordentliche Vielfalt im Lindhorster Vereinsleben - mit etwa 34 ortsansässigen Vereinen - die sich in den historischen Wurzeln und den Vereinsnamen widerspiegelt: Heimat-, Trachten-, Bergmanns-, Reit- und Fährverein. Landfrauenbund. Spielmannszug .Glück auf", Arbeiterwohlfahrt, Siedlergemeinschaft usw.

 

Planunqs- und Nutzungskonzept zur "Rettung" der ehemaligen Hofanlaqe

Aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft stehen immer mehr innerörtliche Hofanlagen leer und die Gebäudesubstanz verfällt. So auch der ehemalige Hof Gümmer in Lindhorst, der schon seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird. Zumeist ist die Folge ein Abriss der alten Gebäude mit dem unwiederbringlichen Verlust der ehemaligen bäuerlichen Anlagen.

Um diesem Trend entgegen zu wirken und einen Beitrag zum Erhalt des ortstypischen Dorfbildes zu leisten, wurden erstmals im Jahr 2000 Planungen vorangetrieben, die Hofanlage, die sich innerhalb des historischen Gebäudeensembles der Nr. 37, 39, 40 und 42 befindet, größtenteils zu sanieren und umzunutzen. Vorgesehen war eine gemischte Nutzung in den vorhandenen Gebäudeteilen sowie eine Seniorenwohnanlage mit zusätzlichen Serviceeinrichtungen in neuen Gebäuden im hinteren Grundstücksbereich.
In diesem Zusammenhang hatten sich sowohl der Eigentümer (Familie Berner) und die privaten Investoren, als auch die Gemeinde und die Vereinsvertreter zu einem gemeinsamen Konzept zusammengefunden, um einerseits für eine Belebung des Ortskerns und andererseits für die Erhaltung historisch gewachsener Strukturen zu sorgen.

 

Die Gemeinde Lindhorst beabsichtigte dabei zuerst nur das angebaute Leibzucht- / Scheunengebäude (Bereich A) in ein Dorfgemeinschaftshaus umzubauen, das den örtlichen Vereinen als Versammlungs- und Veranstaltungsort dienen sollte. Im weiteren Verlauf der Realisierungsbemühungen übernahm die Gemeinde Lindhorst letztendlich auch den östlichen Gebäudeteil des Haupthauses (Bereich B), um auch diesen Bereich zu sanieren und einer geeigneten und nachhaltigen Nutzung zuzuführen. Diese konnte durch den Kultur- und Förderverein Schaumburger Bergbau e.V. gesichert werden mit der Einrichtung einer Bergbau-Ausstellung und eines Museumscafes.

 

Die Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen sollten unter weitgehender Berücksichtigung historischer und ökologischer Belange mit dem Ziel größtmöglicher Erhaltung der Originalsubstanz durchgeführt werden. Veränderungen sollten nur in dem für die spätere Funktion erforderlichen Umfang erfolgen, um den heutigen Anforderungen an Nutzungsvielfalt, Sicherheit, Energieeinsparung, zukunftsorientierter Haustechnik, Raumklima etc. Rechnung zu tragen.

Sanierung und Realisierung Altbaukomplex "Hof Gümmer":

Die Fassaden der Hofanlage wurden im Laufe der Zeit durch verschiedene Sanierungs- und Erneuerungsmaßnahmen zum Teil stark verändert (zugemauerte Fensteröffnungen, neue Tore, neu gemauerter Giebel, u. a. ).

Die Außenwände des Haupthauses, das im 19. Jh. errichtet wurde, waren im Bereich der späteren Anbauten zum Teil verloren gegangen und das Fachwerk des östlichen Giebels wurde komplett durch Mauerwerk ersetzt. Dagegen war die innere Fachwerkkonstruktion noch sehr gut erhalten, insbesondere die Dielenwände und die Hauptdeckenbalkenlage. Das vorhandene Fachwerk wurde saniert sowie fehlende Bereiche an der Südseite und am Ostgiebel originalgetreu aus Altholz wiederhergestellt.
Der östliche Leibzucht- und Scheunenanbau von 1900 wurde ebenfalls in Fachwerk-Bauweise erstellt. Die Konstruktion hatte sich abgesenkt und war auseinandergedriftet, da die Schwellen teilweise stark angerottet waren sowie Innenwände und Deckenbalken stellenweise entfernt wurden.
Eine Grundsanierung mit der Erneuerung der Fachwerk-Schwellen und der Instandsetzung der aussteifenden Fachwerkwände und der Deckenbalkenlagen wurde für diese Gebäudeteile zwingend erforderlich.
Weiterhin schließt sich ein weitgehend massiv gemauerter Kuhstallanbau im Übergangsbereich an. Dieser befand sich in einem relativ guten Zustand, lediglich die Decken mussten erneuert und der Dachstuhl saniert werden.

 

Aufgrund von zwischenzeitlichen Planungs- und Nutzungsänderungen sowie des Umfangs der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen und der damit verbundenen Kosten, musste die Durchführung der Arbeiten auf mehrere Jahre und verschiedene Bauphasen verteilt werden (Beginn der ersten Arbeiten im Herbst 2001). Dabei musste teilweise auch auf Zusagen und Bescheide von öffentlichen und privaten Zuschussgebern gewartet werden, um deren volle Unterstützung in Anspruch nehmen zu können. Bei den Innenausbauarbeiten wurde die Gemeinde tatkräftig durch Helfer aus der Dorfgemeinschaft und den Vereinen unterstützt.
Im ehemaligen Leibzucht- /Scheunengebäude und dem Stallanbau (Bereich A) konnten im Sommer 2005 auf etwa 360 qm Grundfläche der große Saal mit angeschlossenem Versammlungsraum sowie die Eingangs-, Erschließungs- und Sanitärbereiche im Erdgeschoss in Betrieb genommen werden. Weitere Gemeinde-, Vereins- und Versammlungsräume unterschiedlicher Größe mit insgesamt etwa 245 qm Nutzfläche befinden sich im Ober- und Dachgeschoss.
Der östliche Gebäudeteil des Haupthauses (Bereich B) bietet auf etwa 205 qm Grundfläche Platz für einen Mehrzweck-/ Cafebereich im Erdgeschoss und auf der Galerie sowie für einen Ausstellungsbereich (Bergbau-Museum) mit Nebenräumen im Ober- und Dachgeschoss mit etwa 130 qm Nutzfläche.
Weiterhin befindet sich im Gebäudekern die zentrale Energieversorgung, die durch zwei Blockheizkraftwerke, Brennwertkessel und die Verwendung von schwefelarmen Heizöl umweltgerecht betrieben wird. Über unterirdische Fernwärmerohre und ein internes Stromnetz sind daran sowohl der Altbaukomplex als auch die neuerrichteten Gebäude auf dem Gelände angeschlossen. Weiterhin ist in der Energiezentrale die Lüftungsanlage untergebracht, die den großen Saal und den Versammlungsraum versorgt. In Kürze soll das ökologische Gesamtkonzept durch die Nutzung von Regenwasser zur Toilettenspülung abgerundet werden.

 

Die vorgelagerte Hoffläche, angeschlossen an den Saal und das Museumscafe, wurde zu einem öffentlichen Raum umgestaltet und in das Freiflächen- und Straßenraumkonzept der Dorferneuerungsplanung integriert.

 

Die feierliche Einweihung des Dorfgemeinschaftszentrums mit der endgültigen Fertigstellung aller gemeindeeigenen Bereiche fand im Sommer 2006 statt. Die Gesamtkosten für die Sanierungsmaßnahmen an den bestehenden Gebäudeteilen und die Umnutzung zum Dorfgemeinschaftszentrum (Bereich A & B) belaufen sich auf insgesamt etwa 1,7 Mio, Euro, darin sind auch die Kosten für die Außenanlagen und die Gebäudeausstattung enthalten.